FREEZE | 07.05. – 28.10.2018

Unter dem Titel FREEZE zeigen der Bildhauer Raimund Göbner und der Maler Michael Lauterjung eine Auswahl ihrer Arbeiten im Dominikus-Böhm-Bau des Klosters Wettenhausen.

Eintritt frei

Parkmöglichkeiten im Innenhof des Klosters Wettenhausen

„Mit dem Losungswort „Freeze“ wird im Improvisationstheater eine Szene kurz angehalten, damit diese sich dann unter neuen Vorzeichen fortentwickeln kann. Dabei wird dem Betrachter ein genauer Blick erlaubt, der weiterführende Assoziationen zulässt. So erhält die Szene erst in ihrem Stillstand eine neue Richtung und Bedeutung. Unter diesem Aspekt ergibt sich sowohl für die Bilder Lauterjungs als auch die Skulpturen Göbners eine spannende Lesart. Beide Künstler inszenieren eine Momentaufnahme, die eine kontemplative Auseinandersetzung mit Alltäglichem und Flüchtigem ermöglicht.

Lauterjungs hyperrealistisch gemalte Früchte, Schalen oder Schuhe weisen sich aus durch übersteigerte, idealisierte Form und Farbgebung. Auch das im Vergleich große Format hebt die Objekte gleichsam auf eine Bühne und macht so etwas präsent, was sonst nebensächlich scheint. Ein Stück Clementine oder wahllos verstreute Holunderbeeren werden fast plakativ zentriert in Szene gesetzt. Der Hintergrund wird jedoch nicht in fotorealistischer Malweise weitergeführt, sondern in grobem Pinselstrich abstrakt umgesetzt und farblich auf das Objekt abgestimmt. Lauterjung führt den Betrachter in eine ästhetische Auseinandersetzung mit Objekten, die sonst zu alltäglich für eine derart eingehende Betrachtung scheinen. Die Perfektion in der Ausarbeitung führt weiter in eine Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Kunst und Natur und damit in ein traditionsreiches Feld der Kunstgeschichte.

Göbner inszeniert einen Augenblick, der nur technisch festzuhalten ist. Seine Skulpturen sind Schnappschüsse, im Bild erstarrte Bewegungen. Die wilde Fahrt auf der Vespa, Wind im Haar und im Gesicht. Die Freude eines tanzenden Paares. Es sind die leichten, unbeschwerten Situationen, die der genaue Beobachter dem wirbligen Treiben des Alltags entnimmt. Göbner hält sie nun fest und macht sie damit in all ihren Facetten sichtbar. In der Bearbeitung bleibt der Künstler zunächst unpräzise und massiv, kleine Details werden erst in der Bemalung hervorgehoben. Die Körper sind grob modelliert und schaffen damit Raum für Interpretation. Die dargestellte Situation wird nicht abgeschlossen, sondern lässt Platz für eigene Bilder. Die realistische Bemalung, die sogar Lichtreflexe zeigt, fixiert das Ereignis dabei in einem natürlichen Kontext. Hier entsteht eine Lebensnähe, die die Figuren von der Bühne ihres Sockels in ein alltägliches Geschehen hebt. Göbners Arbeiten lassen in dieser Zusammenstellung Emotionen und dazugehörige Bilder entstehen, die sich entgegen der bewegten Szene, die dargestellt ist, still im Betrachter entwickeln können.

Göbner und Lauterjung entziehen Objekte und Ereignisse der Zeit und deren Prozessualität. Sie machen damit auch deutlich, wie flüchtig das Bewusstsein der Schönheit des Alltäglichen ist.“

Flora Nieß, Doktorandin der Kunstgeschichte